Segelklub Bayer Uerdingen e.V.

Deutsche Meisterschaft der Contender in Schwerin

Freitag, 03. Jun 2022, 18:48 Uhr

Annika Kemper bilanziert ihre Stärken und Schwächen nach einem Jahr im Contender.

Seit etwas mehr als einem Jahr besitze ich nun meinen Contender. "Leider" habe ich so viele interessante Segelprojekte, dass der Contender als Nebenprojekt nicht ganz so oft das Wasser sieht. Aber nichtsdestotrotz stand vom 19.-22. Mai bei mir die Deutsche Meisterschaft in Schwerin im Kalender. 
Ursprünglich war der Plan in der ersten Maiwoche täglich Mannövertraining im Contender zu machen. Die Überführung  der TP 52 im Mittelmeer fiel dem Plan zum Opfer. Auch ein Wechsel des Segelmacher  vor kurzem und damit die Ungewissheit über das Verhalten des  Segels  waren sicher keine empfehlenswerte Ausgangslage für eine Meisterschaft.

Aber ich habe noch lang genug Zeit, um gute Ergebnisse im Contender zu ersegeln. Ich setzte mir deshalb das Ziel, in dem stark besetzten Feld mit 55 Booten meine Stärken und Schwächen zu analysieren.

Am ersten Tag gab es 3 Wettfahrten bei leichtem bis mittelstarkem böigem und drehenden Wind. Ich war immer wieder gut dabei, aber musste auch des Öfteren wieder ein paar Plätze hergeben. Vor allem der 22. Platz im zweiten Rennen, wo ich lange Zeit in den Top 15 mitgefahren bin, zeigt mir aber, dass ich durchaus Potential habe. Der 45. Platz im dritten Rennen, wo ich am Start kenterte und kringeln musste, zeigt mir aber ebenso, dass ich vor allem an meinem Handling noch arbeiten muss. 
Die Wenden klappten zwar schon besser als letztes Jahr, aber Luft nach oben gibt es dennoch. Umso mehr freute ich mich, dass meine Halsen mittlerweile sehr gut funktionieren und ich einen guten Bootsspeed hatte.
Freitag gab es mangels Wind nur eine Wettfahrt bei schwierigen Windbedingungen. Ich erkannte den Wind in der ersten Runde etwas falsch und verschätzte mich sogar mehrfach bei der Layline der Luvtonne. In der nächsten Runde holte ich einige Plätze auf, aber auf dem letzten Downwindkurs kamen die Gegner mit einem Böenfeld von hinten wieder an mich ran. Wir rundeten mit vielen Booten gleichzeitig das Leegate und ich fand mich hoffnungslos in Abwinden auf der Zielkreuz wieder. Platzmäßig war das Rennen nicht glorreich, aber dafür war es sehr lehrreich.
Für Samstag war ordentlich Wind angesagt. Etwa 16 Knoten Grundwind und je nach Vorhersagemodell 25-35Knoten in Böen. 
Mein Ziel für den Tag: Möglichst wenig kentern und alle Rennen durchhalten.
Logischerweise sind Wenden bei Starkwind nochmal anspruchsvoller als bei weniger Wind. Ich kenterte in den Rennen zwar nur zweimal, aber verlor bei den Wenden immer viel Speed. Aber das neue Segel konnte ich so flach trimmen, dass ich trotz meines verhältnismäßig geringen Gewicht das Boot ohne Schräglage segeln konnte. Die To Dos bei viel Wind sind also die gleichen wie bei weniger Wind: Wenden, wenden, wenden. Denn bekanntermassen  kommt von nichts tun nichts erfolgreiches. Wasserstunden sind wie in so vielen Bootklassen der Schlüssel zum Erfolg.
Während im ersten Rennen die Böen glücklicherweise die 30 Knoten Marke nicht überschritten, änderte sich dies im zweiten Rennen. 1,5 Runden überstand ich ohne Kenterung und ich hatte riesigen Spaß, um den Kurs zu fliegen. Immer wieder werde ich von Seglern aus anderen Klassen gefragt, ob ich nicht viel zu leicht für den Contender sei. Diese 1,5 Runden waren der optimale Gegenbeweis. Dank Carbonmast, ist die Mastkurve sehr gut und einfach anpassbar und so auch für eine breite Gewichtsrange einstellbar. Umso mehr wundert es mich immer wieder, dass sich so wenige Frauen und Jugendliche in die Klasse trauen. 
Allerdings sind Böen über 30 Knoten Bedingungen, bei denen ich aus Sicherheitsgründen nie trainiere. Ohne Sicherungsboot ist mir das in meiner Wahlheimat Kiel auf dem Meer zu gefährlich. Problematisch wurde es deshalb, als ich auf der zweiten Kreuz kenterte und mein Boot nicht mehr aufgerichtet bekam. Nach dem Aufrichten kippte das Boot immer wieder um, bevor ich es auf die andere Seite schaffte. Nachdem fast alle im Ziel waren, hatte ich es geschafft und meine Mastspitze war endlich wieder über Wasser zu finden. Ich beschloss, dass ich besser in den Hafen zurücksegle, bevor ich mich oder andere Teilnehmer aufgrund von zu wenig Erfahrung in Gefahr bringe. Zu diesem Zeitpunkt ärgerte ich mich sehr darüber und war von mir selbst ziemlich enttäuscht. Ich hatte das Gefühl, die einzige zu sein, die es nicht hinbekommt und aufgeben muss. Im Hafen angekommen, sah ich, dass schon über 10 andere Mitstreiter ebenfalls kapituliert haben. Rückblickend war es aber definitiv die richtige Entscheidung, da der Wind noch weiterzugenommen hatte. Die letzte Wettfahrt beendete grade mal die Hälfte des Feldes und einige kamen mit Materialbruch zurück an Land. 
Das tollste an der Contenderklasse ist, dass alle offen sind für Fragen, sodass ich einige Tipps sammeln konnte, um nächstes Mal das Boot problemlos aufzurichten. 
In der Nacht zum Sonntag war dem Wind die Puste ausgegangen. Die Wettfahrtleitung versuchte vergeblich, noch Rennen zu starten, aber Leichtwind mit extremen Drehern machten es unmöglich. 
So beendete  ich die Regatta "nur" auf dem 43. Platz, aber nehme vor allem eine lange Liste an Leranings und To Dos mit.

Während der IDM fand noch die Jahreshauptversammlung statt und es wurde beschlossen, dass ab nächstem Jahr der Titel des Deutschen Juniorenmeisters (U25) vergeben wird. Mein Ziel für die IDM nächstes Jahr steht somit schon fest :) Allerdings wünsche ich mir dafür auch reichlich Konkurrenz. Ein Titel ohne Konkurrenz (oder mit wenig Konkurrenz) wäre langweilig. Zum Schluss bleibt noch zu sagen: Herzlichen Glückwunsch an den neuen internationalen deutschen Meister Jesper Armbrust aus Dänemark! Und vielen Dank an den Schweriner Segler Verein für die top Organisation mit täglichem Anlegebier, leckerem Essen und super Campingmöglichkeiten.

Termine

  • Privatfeier
    26.06.2022, 16:00 Uhr bis 20:00 Uhr
  • Spiel ohne Ranzen
    27.06.2022, 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr
  • Spiel ohne Ranzen
    28.06.2022, 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr

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